Besuch der Titanic Ausstellung in Kiel 2007

Da ich die damalige, überaus erfolgreiche Ausstellung der RMS Titanic Inc. in der Hamburger Speicherstadt knapp zehn Jahre zuvor nicht besuchen konnte, hatte ich im Juli 2007 beschlossen dies nachzuholen, als sich eine erneute Ausstellung von Artefakten der legendären Titanic in der Kieler Ostseehalle ankündigte. Im Verbund mit dem deutschen Titanicverein stellte die RMS Titanic Inc. dort ca. 300 Artefakte aus.

 

Ich machte mich dann zusammen mit meiner Frau Yvonne auf den knapp 500 Kilometer langen Weg von Duisburg nach Kiel.

 

Da sich die Ausstellung zum Zeitpunkt meines Besuches schon kurz vor ihrem Ende befand, hatte ich mitbekommen, dass sie offensichtlich sehr große Schwierigkeiten hatte genug Besucher anzulocken. Ein großes Problem des Veranstalters war ohne Zweifel die mangelnde Werbung für diese Ausstellung. Wenn man sich nicht selbst, in der „Titanicszene“ (eigentlich mag ich diesen Begriff ganz und gar nicht) bewegte, bekam man als Normalbürger in Deutschland von dieser Ausstellung nichts mit.

 

Als ich mich dann mit meiner Frau in die Ostseehalle begab, wurde mir schnell klar, warum sich so wenige Besucher dorthin verliefen. Es gab dort nur einen einzigen Getränkeautomaten, nichts zu Essen und das Sortiment an Souvenirs für diese Ausstellung war doch sehr arg begrenzt.

 

Aber da ich nicht wegen des Essens oder der Souvenirs dort war, sondern um mir ein unvoreingenommenes Bild von der Ausstellung zu machen, begab ich mich in die Halle.

 

Nach dem Vorzeigen unserer Eintrittskarten bekamen wir eine separate Bordkarte der Titanic ausgehändigt mit der wir die Identität eines echten Titanicpassagiers annahmen um dann am Ende der Ausstellung an einer großen Tafel mit den Namen der Geretteten und der Toten herauszufinden, ob wir den Untergang der Titanic überlebt haben oder nicht.

 

Als erstes kamen wir in einen abgedunkelten Raum in dem die legendäre Glocke des Krähennestes der Titanic ausgestellt wurde (ob sie es wirklich war, sei mal dahingestellt, denn da sind sich die „Experten“ nicht wirklich einig).  Die sehr nette junge Dame, welche die Führung mit uns machte (sie nannte sich selbst einen „Guide“) führte aus, dass es sich bei dieser Glocke mit ziemlicher Sicherheit um die Glocke aus dem Krähennest handelt und fuhr weiterhin aus, dass man inzwischen davon ausgeht, dass diese Glocke schon auf mehreren Schiffen der White Star Line im Einsatz gewesen sein muss, denn die sehr starken Gebrauchsspuren im Inneren dieser Glocke könnten unmöglich nur von der Jungfernfahrt der Titanic stammen. Und da diese Glocke ja nicht in Sichtweite der Passagiere gewesen sei, habe die White Star Line eben eine schon gebrauchte Glocke verwendet. Na ja, wer es glaubt...

 

In der Mitte des nächsten Raumes war ein Modell der Titanic im Maßstab 1:144 ausgestellt worden, während ringsherum große Fotografien vom Bau und Planung der Titanic zu sehen waren.

 

Schließlich wurden wir über eine Planke an „Bord der Titanic“ gebeten.

 

Im folgenden Raum waren Alltagsgegenstände von Bord des Schiffes wie z.B. Geschirr aus allen drei Klassen zu sehen, auch Waschbecken der Ersten Klasse, oder auch vom Meeresgrund geborgene Banknoten die die über 90 Jahre auf dem Meeresboden überstanden hatten da sie in Ledertaschen verstaut waren. An den Wänden wurden dann auf großen Tafeln einige Passagiere der Ersten Klasse der Titanic wie John Jacob Astor, die Duff-Gordons oder „Molly“ Brown vorgestellt.

 

Am Ende dieses Raums war ein Nachbau eines Schlafzimmers der Ersten Klasse aufgebaut, wo unser „Guide“ die berühmte Geschichte von Isidor und Ida Straus erzählte, um dann, als wir kurz um die Ecke bogen darauf hinzuweisen, dass eines der Stücke in der nächsten Vitrine von Ida Straus stamme und das zweitteuerste Artefakt der Ausstellung sei. Es war ein eher unscheinbares Halsband das mit kleinen Perlen bestückt war...

 

Als Nächstes kamen wir dann zur originalgetreu nachgebauten großen Freitreppe der Titanic, die für jeden Titanicinteressierten natürlich ein wahrer Augenöffner war. Dort erzählte unser „Guide“ dass an Bord der Titanic eigentlich eine Orgel eingebaut werden sollte, die aber nicht rechtzeitig fertig geworden sei. 

 

Auch wies sie darauf hin, dass kurz vor dem Beginn der Ausstellung in Kiel, in der Schweiz die Orgel des Schwesterschiffes der Titanic, der Britannic, entdeckt worden sei (was man von dieser skurrilen Geschichte halten soll, steht natürlich auf einem anderen Blatt...)

 

Wir gelangten kurz darauf in den nächsten Raum in dem eine Kabine der Dritten Klasse nachgebaut worden war (auch die Gänge der Dritten Klasse waren originalgetreu nachgebildet, und man hatte die dort unten in der Dritten Klasse, auch Zwischendeck genannt, herrschende Geräuschkulisse nachempfunden)

 

Dort wurde uns die Geschichte der Familie Dean erzählt, die in der Dritten Klasse der Titanic unterwegs war, und wo die Mutter von Millvina Dean die ganze Überfahrt ein schlechtes Gefühl gehabt habe und deshalb die Nächte am Bett ihrer beiden Kinder gewacht habe (Komisch, war das nicht die Mutter der Überlebenden Eva Hart? Aber selbst im Vorwort des Ausstellungskataloges, welches Millvina Dean persönlich verfasst haben soll, stand diese Geschichte. Na ja...)

 

Ferner war eine Tafel der siebenköpfigen Familie Godwin gewidmet die ebenfalls in der Dritten Klasse gereist war und bei dieser Katastrophe komplett ausgelöscht wurde.

 

Danach begaben wir uns in den nachempfundenen Gepäckraum der Titanic in dem die Geräuschkulisse noch lauter wurde und an deren Ende an die Postbeamten des Luxusliners erinnert wurde die bis zuletzt bei ihrer ihnen anvertrauten Post ausharrten.

 

Dann wurde an die sogenannte „Black Gang“, sprich die Heizer des Schiffes erinnert, die ebenfalls bis kurz vor dem Ende auf ihrem Posten blieben und von denen nur sehr wenige, wie z.B. Fred Barrett, die Katastrophe überlebten. In einer großen Vitrine war dann noch ein großer Brocken Kohle des Schiffes ausgestellt, der aus dem Trümmerfeld am Wrack geborgen wurde.

 

Nun erreichten wir die sehr schön nachgebaute Brücke der Titanic in deren Mitte ein Maschinentelegraf ausgestellt war, daneben war der Sockel des Steuerrades zu sehen, welches das teuerste Artefakt der Ausstellung war. Es wurde nun an das fehlgeschlagene Ausweichmanöver des Ersten Offiziers William Murdoch erinnert und an die vorher eingegangen Eiswarnungen.

 

Im folgenden Raum war ein nachempfundener Eisberg aufgebaut um den Besuchern der Ausstellung zu demonstrieren wie groß und kalt der Eisberg gewesen ist, der die Titanic versenkt habe.

 

Gezeigt wurde auch ein sehr gut erhaltenes Fenster der Offiziersunterkünfte auf der Backbordseite der Titanic auf dem Bootsdeck. In einer anderen Vitrine war ein Winkelträger eines Davits von Bord des Schiffes zu sehen. Auch ein Bullauge der Titanic in noch recht gutem Zustand wurde gezeigt.

 

Auf dem Weg zum nächsten, größeren Raum, waren noch ein einzelner Schuh, eine Brille und andere, kleinere persönliche Dinge, wie z.B. auch Wäscheklammern von Passagieren des Schiffes, die man aus einer einige Räume zuvor ausgestellten Ledertasche geborgen hatte, ausgestellt, ehe man in einen Raum gelangte in dem die Bergung und Konservierung der geborgenen Artefakte beschrieben wurde.

 

Von der Decke hing ein halbes Tauchboot von Ifremer herab. In der Mitte des Raums waren Gratinformen ausgestellt, die in der Vitrine so angerichtet waren wie man sie am Meeresboden auffand.

 

Ferner waren Teile einer Decksbank zu bewundern sowie zwei Kochtöpfe. In einer Ecke konnte der Besucher dann „die Titanic berühren“, denn in einer speziellen Vitrine war ein kleines Loch eingelassen und dort konnte man einen Teil der Bordwand berühren, was schon ein merkwürdiges Gefühl war.

 

Es waren auch am Meeresboden gefundene Weinflaschen zu sehen, in einer Champagnerflasche steckte sogar noch der Korken.

 

Als letztes Ziel erreichten wir nun den „Deutschen Raum“ in dem an die deutschen Passagiere der Titanic erinnert wurde, wie z.B. Alfred Nourney, Joseph Peruschitz, Alfred Theissinger, August Meyer usw. Auch wurde an die Beteiligung von deutschen Firmen bei der Einrichtung erinnert, wie z.B. die Firma Steinway, Villeroy&Boch, Rossel- Schwarz&Co

 

Auch konnte man dort an vom Meeresboden geborgenen Parfümproben schnuppern.(sehr süßer Geruch) Gezeigt wurden auch wieder persönliche Dinge, wie Postkarten von Alfred Nourney die er an Bord der Titanic verfasst hatte. Oder auch vom Meeresboden geborgene Alltagsgegenstände wie Hosen, Strümpfe, Geldbörsen und sogar noch Zigaretten.

 

Auf einer Seite des Raums konnte man nun anhand seiner Bordkate herausfinden, ob man überlebt hatte oder nicht.(Mein Passagier war gestorben, während der Passagier meiner Frau überlebte)

 

Damit war die Führung nach cirka eineinhalb Stunden auch beendet und nun hatte man die Möglichkeit noch einmal allein durch die Ausstellung zu gehen um sich alles noch einmal genauestens anzusehen, was wir dann auch ausführlich taten.

 

Nach knapp vier Stunden in der Ausstellung wollte ich dann noch Souvernirs kaufen und erstand für 13€ den Ausstellungskatalog.

 

Bedauerlich war nur, dass sehr wenig bis gar keine Auswahl an Büchern vorhanden war. Vollkommen fehlten auch Andenken an die Ausstellung wie z.B. Tassen, vielleicht auch Fanartikel des Cameronfilmes usw. Als Einziges, allerdings recht schönes Andenken blieb da nur die Bordkarte.

 

Das war schon ein ziemliches Trauerspiel und wurde der eigentlich sehr schönen Ausstellung nicht im Geringsten gerecht.

 

Danach machten wir vor der Kieler Ostseehalle noch einige Aufnahmen, da man in der Ausstellung natürlich keine Fotos machen durfte, und machten uns im Anschluss daran auf, Kiel unsicher zu machen, wo wir noch das dortige Schifffahrtsmuseum besuchten und eine ausgiebige Sightseeingtour durch Kiel machten um am späten Abend des folgenden Tages zurück nach Duisburg zu fahren.

 

 

 (C) Text und Bilder Norbert Zimmermann